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Dialektik der Aufklärung

23,01,05

 

Ich benutze diese Formulierung Dialektik der Aufklärung” in einem anderen Sinne, als ihre Erfinder  – wenn auch angeregt durch diese. Soweit ich diese beiden Philosophen (Adorno und Horkheimer, 1947) verstanden habe, sehen sie prinzipiell die Aufklärung sehr negativ, als eine Art totalitaristischer Entzauberung der Welt in Form von Technik und Herrschaft. “Die Aufklärung verhält sich zu den Dingen wie der Diktator zu den Menschen. Er kennt sie, insofern er sie manipulieren kann.” (S. 9 von 133) – Das ist dann sozusagen die  ‘Dialektik’ dieser negativen Form von Aufklärung, der sich Horkheimer und Adorno widmen.

Ich selber bin nicht so radikal in der pauschalen Aburteilung der ‘Aufklärung’. Für mich gibt es durchaus auch positive Elemente  ‘humanistischer’ Aufklärung innerhalb der Gesamt-Aufklärungsbewegung (seit der ‘Achsenzeit’ - siehe vor allem das Kapitel in der Wikipedia “Verortung der Achsenzeit in der kulturellen Evolution und Technikevolution”). Und diesen möchte ich mich nunmehr zuwenden. Das bedeutet genauer: Meine eigene Grundidee bzgl. dieser Begriffsverwendung möchte ich eingrenzen auf die folgende Sichtweise: Die ursprünglichen Intentionen humanistischer Aufklärung werden in eine Art ‚Entkräftung‘ dieser Intentionen (als ‘dialektischer Umschlag’) transformiert. Diesem Sachverhalt werde ich jetzt in einigen Beispielen konkret nachgehen.

  • Bekannt ist ja als erstes das Christentum. Seine (‚dialektische‘) Verwandlung in das Kirchenchristentum war solch ein eklatanter Umschlag. Selbstverständlich ist die ursprüngliche christliche Lehre die Leistung einer humanistischen Aufklärung. Ging es doch um zwei wesentliche Themen: Frieden auf Erden (die Weihnachtsbotschaft in Lukas 2) sowie Liebe und Gerechtigkeit unter den Menschen. Wenn man die Haltung der Kirchen (evangelisch und katholisch) im Nationalsozialismus bedenkt, hat man das Problem, das sich durch das gesamte Mittelalter hindurchzog, in seinem ganzen Panorama. Die offiziellen Kirchen unterstützten den Krieg. Selbst Niemöller wollte aus seinem Knast heraus sich noch freiwillig zum Kriegsdienst melden. Dann gab es aber eine kleine Minderheit, die sich aus christlichen Motiven heraus auflehnte gegen die Herrschaft der Nazis samt Krieg und sonstigen Verbrechen. – Trotz aller inneren und äußerlichen Kontradiktionen zur eigentlich christlichen Lehre seitens der offiziellen ‚Amtskirchen‘ in der mittelalterlichen Geschichte hat der Einfluss der christlichen Weltanschauung und des christlich inspirierten Humanismus die bisher größte Menschheitsrevolution verursacht, nämlich im 19. Jahrhundert die weitgehende Abschaffung von Sklaverei und Leibeigenschaft – weltweit. Was jedoch immer noch aussteht, ist die Abschaffung von Imperialismus und Krieg weltweit. Und gerade eine fundamental-christliche Nation, die USA, sind die maßgeblich imperialistische Macht in diesem Jahrhundert. Die ‚Innere Partei‘ (vgl. Orwell) der USA denkt offenbar nicht im Traum daran, auf ihren Weltmachtanspruch zu verzichten. Und von seiten der diversen evangelikal-christlichen ‚Fundamentalisten‘ in Amerika habe ich bislang keine laute Kritik daran, d.h. an den damit verbundenen imperialen Kriegen samt Zerstörung, Kriegstoten und Verwüstung, vernommen.

 

  • Dass eine Revolution zur ‚Befreiung der Menschheit‘ in übelsten Terror (‚dialektisch‘) umschlägt, diese Erfahrung hatte man schon während der Französischen Revolution machen müssen. Sie mündete aus in ein imperiales Kaisertum – was ja eigentlich nicht der ursprüngliche Sinn der Übung war, auch wenn der napoleonische Imperialismus dann frischen Wind nach Europa brachte. – Dieses Terror-Ergebnis (mitsamt Imperialismus inklusive Einzelherrscher) in noch wesentlich gesteigertem Ausmass lieferte sodann die russische Revolution 1917 ff. – Auch hier wieder ein positives Ergebnis: der sog. ‚Kommunismus‘ trug wesentlich dazu bei, die Kolonialherrschaft über weite Weltgebiete nach und nach abzuschütteln.

 

  • Nun ein kleines Zwischenfazit: Wie kommt es zu diesem ‚dialektischen‘ Umschlag ins Inhumane – entgegen den ursprünglichen Intentionen einer kleinen radikalen Minderheit? Ich denke, da gibt es eine ziemlich einfache Erklärung. Der neue Geist breitet sich in den Massen aus; wie Marx es so schön formulierte: „Die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift.“ (Einleitung Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, 1844, S.385). Nur, was Marx nicht bedacht hat: die Theorie ergreift normale Menschen, die in der Regel nicht besonders reflektiert sind, sondern einfach von der neuen Strömung mitgerissen werden. Und diese übernehmen nun den Laden aufgrund ihrer Masse, also gerade wegen ihrer ‚materiellen Gewalt‘. Dass die Theorie dabei ins übliche Verständnis ‚massenhaft‘ uminterpretiert, d.h. ins Verständnis der weitgehend immer noch gegenwärtigen Einstellungen übersetzt wird (aus denen man ja ursprünglich ausbrechen wollte), ergibt sich somit naturnotwendigerweise. – Es kann aber sein, dass trotz aller Pervertierung des ursprünglich gut gemeinten dennoch einige Samenkörner der guten Sache mitgeschleppt werden und das eine oder andere Samenkorn an irgendeiner speziellen Stelle auf fruchtbaren Boden fällt und endlich zur Entfaltung kommen kann.
  • Die Marxsche Theorie-Forderung von 1844 (S.385) lautete als „kategorischer Imperativ“:
  • alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ – Und jedes dieser Worte als ein Gongschlag, wenn man Berichte über den GULAG liest.

 

  • Die Partei „Die Grünen“ hatte ursprünglich das Motto: „Ökologisch, Sozial, Gewaltfrei, Basisdemokratisch“. Und es gab Aufkleber wie z.B. „Baum ab Nein Danke“. Davon ist heutzutage – außer „Energiesparen Ja Bitte“ nicht viel übrig geblieben. Bäume werden auf Geheiß grüner Politiker abgeholzt. In Gießen gibt’s beispielsweise eine entsprechende grüne Dezernentin, die deswegen „Kettensäge-Gerda“ genannt wird. - Schon der grüne Außenminister Fischer war für eine deutsche Beteiligung an dem völkerrechtswidrigen Angriff der NATO auf Jugoslawien. Und aus dem ehemaligen auf die ‚Bullen‘ steinewerfenden Frankfurter Revoluzzer-Linken wurde ein Anhänger der US-amerikanischen imperialistischen ‚Inneren Partei‘. (Vgl. sein Buch „Der Abstieg des Westens“, 2018: als zweiten Aufguss des europäischen Fahrplans des US-Insiders  Zbigniew BrzezinskiThe Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives“ von 1997). Fortsetzung heutzutage durch die grüne Außenministerin Baerbock – eine vehemente Kriegsschürerin im Ukraine-Krieg. (Vgl. Sahra Wagenknecht bei YouTube am 22.09.2022). Aber Baerbock steht nicht allein damit in ihrer Partei. (Vgl. 2. Beispiel von No.21). Was an einem andauernden Ukraine-Krieg (mit Hilfe von Ablehnung jeden verhandlungsmäßigen Entgegenkommens an Russland) beispielsweise ‚ökologisch‘ sein soll – ganz abgesehen mal von der ‘Gewaltfreiheit‘, der hierdurch ein kräftiger Arschtritt verpasst wird – ist das bleibende Geheimnis dieser Leute. Dass die extreme Verteuerung von Gas und Strom ‚sozial‘ sein soll, bleibt ebenfalls das Geheimnis dieser Leute. Von ‚Basisdemokratie‘ ist sowieso schon lange keine Rede mehr – und allein schon der einfachere Begriff ‚Demokratie‘ (ohne Basis) wird in Deutschland durch ein links-grünes, sich als die ‚Demokraten‘ schlechthin gerierendes, Konglomerat von Leuten mit Hilfe von Zensur (z.B. im Internet) und verharmloster Gewalt (z.B. Hamburg G20, 2017, oder Morde durch Asylanten) und extremer Intoleranz gegenüber der nicht in der offiziellen imperialen Brzezinski-Spur laufenden AfD, immer mehr entwertet. – Was ich der grünen Bewegung (aus der ja die grüne Partei ursprünglich entstanden war) immerhin dennoch zu Gute halten kann, ist eine stärker werdende Entwicklung hin zu Bio-Landwirtschaft und Bionahrungsmitteln. Hier hat sich ein ursprüngliches grünes Samenkorn ausnahmsweise mal gut entwickeln können. (Ich möchte noch hinzufügen, dass ich selber im Gründungsvorstand der Gießener Grünen Ende 1979 war – und 2 Jahre später wieder aus der Partei ausgetreten bin wegen der von mir schon damals erkannten paradoxen Entwicklung.)

 

  • Man könnte sich sicher noch die ‚Frauenbewegung‘ für solch eine entsprechende Analyse der ‚Dialektik‘ der Aufklärung vornehmen, aber dafür bin ich nicht kompetent genug. Mir scheint aber, indem die ‚Frauen-Emanzipation‘ zur Massenerscheinung geworden ist, geht es nicht mehr wesentlich um wirkliche Emanzipation zum automen, kulturell hochstehenden Menschen, sondern hauptsächlich um besonders gelungene Einfügung in die kapitalistische Konsumgesellschaft und Sexualreligion sowie die Eroberung von ehemals rein männlichen höheren Positionen (speziell in der Politik) ohne jedoch besondere Qualifikationen bzw. positivere  Persönlichkeitsmerkmale (als die klassisch-männlichen) zu besitzen. Natürlich reißt frau sich nicht um die rein männlichen Dreckarbeits- und Handwerksarbeits-Stellen. – Selbstverständlich ist das Ganze trotzdem ein Riesen-Fortschritt, wenn man dies vergleicht etwa mit dem Gegensatz-Extrem islamischer Länder, wo beispielsweise (Voll-)Verschleierung oder auch noch außerdem Clitoris-Beschneidung angesagt ist und die Aussage einer Frau vor Gericht nur halb so viel gilt wie die eines Mannes.

 

  • Als weiteres Beispiel könnte auch beispielsweise der massenhaften Fehlinterpretation freiheitlicher (nicht-autoritärer) Erziehungs-Intentionen gewidmet werden, wie ich sie bei der Thematik eines speziellen Narzissmus dargestellt habe.

 

 

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